OVA » GESCHICHTE DER OVA
Die Geschichte der OVA - Ein Rückblick
"Im Jahre 1952 wurde die Obstbauversuchsanlage der
Landwirtschaftskammer für Kärnten, in St. Andrä im Lavanttal,
auf einer Fläche von 2,3 ha eingerichtet", so schreibt Dr. Karl
Klein in seinen Vorbemerkungen zum Forschungsbericht 1966, und weiter
"mit dem Ziel, die bei der lebhaften fachlichen Vorwärtsentwicklung
des Obstbaues auftauchenden beruflichen Fragen für die Obstproduzenten,
des Alpenlandes zu klären, entsprechende Erfahrungen zu sammeln und
diese den Produzenten zu vermitteln". Danach werden die Überlegungen
der Landwirtschaftskammer in folgendem Satz zusammengefasst: "Dadurch
sollen die Obstbauinteressierten dieser Gebiete vor Misserfolgen bewahrt
werden, denen Sie zweifellos ausgesetzt sind, wenn Sie ohne entsprechende
fachliche Grundlagen, die Erkenntnisse anderer, in mancher Hinsicht begünstigter
Produktionsgebiete übernehmen".
Als Leiter wurde
Friedrich Wiesenhofer, aus dem steirischen Weiz stammend, ausersehen.
Unterstützt wurde er von seinem langjährigen Mitarbeiter Obergärtner
Peter Pachler. "Im Frühjahr 1952 wurde eine 0,5 ha große
Neupflanzung durchgeführt", schreibt Wiesenhofer 1956 in einem
Bericht. "Die Beschaffung von Pflanzmaterial machte Schwierigkeiten,
da die kammereigene Baumschule, auf einem Pachtgrund in Ettendorf
betrieben, über keine Niederstämme in den einzelnen Sorten verfügte.
Es war unmöglich die im Herbst 1951 erworbenen 1,3 ha Grund vollständig
zu bepflanzen".
Es bestand kein Gebäude, die notwendigsten Maschinen und Geräte
mussten in einem benachbarten Heustadl untergebracht werden. Im Juni 1952
wurde ein Maschinenraum fertiggestellt, in welchem auch ein kleines Büro
eingebaut wurde. Damit war die Vorraussetzung für die Verlegung der
Obst- und Gartenbauberatungsstelle Wolfsberg nach St. Andrä geschaffen
worden: Das ist die "Geburtsstunde" der Obstbauversuchsanlage
St. Andrä.
Fachliche Kontakte
nationaler und internationaler Art, darunter mit Öschberg und Wädenswil
in der Schweiz, mit dem Max-Planck-Institut in Deutschland, mit
der Universität für Bodenkultur in Wien sowie der Höheren
Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in
Klosterneuburg, zeugen von den wesentlichen Impulsen die von St. Andrä
für den Obstbau in Kärnten und darüber hinaus
ausgingen. Richtungsweisend war die Obstbauversuchsanlage mit ihrem Leiter
Friedrich Wiesenhofer unter anderem in der Süßmosterzeugung
sowie im Anbau von Kulturheidelbeeren, Holunder und Ribiseln.
In den 60iger
Jahren wurden zahlreiche Kernobstanlagen in Heckenform auf mittelstarker
Veredlungsunterlage errichtet. Die Aufgaben nahmen zu: Schulungs- und
Schlafräume, Sanitäranlagen sowie Kühl-, Lager- und Büroräumen
wurden notwendig. Anfang der 70iger Jahre wurde eine Mosterei eingerichtet
und in weiterer Folge die Verarbeitungsversuche intensiviert.
Im Jahre 1972,
nach der Pensionierung Wiesenhofers wurde Ing. Herbert Gartner zum Leiter
der Obstbauversuchsanlage bestellt. Sein ständiger Mitarbeiter im
Betrieb war OM Roman Quendler. Während der nächsten Jahre wurden
zahlreiche Obstsorten, Schnitt- und Formierungssysteme geprüft,
die Versuche mit Kulturheidel- und Kulturpreiselbeeren abgeschlossen,
Apfeldichtpflanzungen errichtet und Versuche mit Steinobst angelegt.
Bereits Wiesenhofer hielt die bäuerliche Obstverarbeitung
hoch, als der Most in seinem Ansehen ganz unten war. Die Einführung
von Mostbewertungen, die Schaffung eines Mostgütesiegels
und die Installierung eines Beratungslabors waren wesentliche Grundlage
für den Neubeginn einer qualitätsorientierten bäuerlichen
Obstverarbeitung. Die Obstbauversuchsanlage selbst produzierte
bis 1982 im Lohnverfahren Apfelsaft, daneben aber auch Qualitätsmost
und ausgezeichnete Fruchtbrände.
Neben der Versuchstätigkeit
wurde ein besonderes Augenmerk auf die Aus- und Weiterbildung im Bereich
Obstbau und Obstverarbeitung gelegt. Waren es unter
Wiesenhofer besonders Schnitt, Veredlungs- und die "berühmten"
Wühlmausbekämpfungskurse, sind es in den letzten Jahren neben
diesen besonders Obstverarbeitungskurse. Den größten
Erfolg haben dabei die seit 1992 eingeführten Baum- und Kellerwartekurse
dar, die in letzter Zeit um den Kurs Kärntner Winzer und
Weinkellerwart noch erweitert worden sind. Unterstützung
findet Ing. Herbert Gartner dabei durch seine Mitarbeiter in der OVA,
OM Josef Quendler, OM Dietmar Kainz und Ing. Siegfried Quendler vom Mostlabor.
Das "Mostlabor", die Qualitätssicherungsstelle des Landesobstbauverbandes
Kärnten, ist seit 2002 Teil eines Projektes der Obstbauversuchsanlage
St. Andrä, ebenso die Sammlung und genetische Identifizierung alter
Apfel- und Birnensorten.
Mit der Obstbauversuchsanlage
St. Andrä verbindet der Interessierte marktorientierten Erwerbsobstbau,
moderne Obstsorten und Anbausysteme, umweltbewussten
Pflanzenschutz im Rahmen der integrierten Produktion und qualitativ
hochwertige bäuerliche Obstverarbeitungsprodukte.
(Quelle: zusammengestellt aus bisherigen Veröffentlichungen
von Ing. Herbert Gartner)
|